Nilbar Güres: Rohkunstbau XXIV. Mind the Gap

Heinrich Böll Stiftung, 30.06.–09.09.2018

Nilbar Güres: Rohkunstbau XXIV. Mind the Gap

Nilbar Güres, Double Headed Snake: Queer Desire is Wild, 2015

Es mag zunächst seltsam erscheinen: eine internationale Ausstellung, die den Titel einer Bahnsteigdurchsage trägt. Der eindringliche Ausruf dient den Passagieren gemeinhin als Warnung, um auf die Lücke beim Ein- und Ausstieg hinzuweisen. Das Englische „to mind“ fordert zur Vorsicht, zum Sich-in-Acht-Nehmen auf; gleichzeitig deutet „the gap“ auf einen Raum hin, der ein gefährlicher Riss, ein potenzieller Bruch oder eine Verletzungsursache ist, ein ungelöster Zustand des Dazwischen.

Das Thema des XXIV. ROHKUNSTBAU: „Achtung – Mind the Gap“ knüpft an den letzten „XXIII. ROHKUNSTBAU: Die Schönheit im Anderen – The Beauty of Difference“ an, eine Ausstellung, die Differenz und Andersheit durch kreative und menschliche Diversität zelebrierte. Die diesjährige 24. Ausgabe des ROHKUNSTBAU befasst sich mit verstärkt zu beobachtenden Phänomenen im heutigen Europa: schwelende Auseinandersetzungen, größer werdende Klüfte innerhalb von Gesellschaften, Entfremdung. Konflikte zwischen Regionen und Nationalstaaten (Katalonien oder das Baskenland in Spanien), Bestrebungen bestehende nationale Einheiten aufzulösen (Schottland und Großbritannien), Formen von inneren ethnischen Verwerfungen oder sprachlichen Spaltungen: All diese Aspekte schürten in jüngster Vergangenheit das Gefühl der Zerrissenheit. Die zunehmende Sensibilisierung dafür ermöglicht und fordert eine intellektuelle und emotionale Auseinandersetzung mit dem Beschriebenen.

Die Künstlerinnen und Künstler der XXIV. ROHKUNSTBAU-Ausstellung widmen sich eben jenen „gaps“ , den Lücken zwischen Individuum und Kollektiv. Sie beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Spannungen, wahrgenommenen Identitäten und Assoziationen und beziehen mit ihren Werken Stellung zur derzeitigen Situation in Europa und über dessen Grenzen hinaus. Neun internationale Künstlerinnen und Künstler sowie ein Künstlerduo nehmen sich dieser Aufgabe an. Die Arbeiten berühren die Thematik dabei jeweils auf eine ganz eigene Art und Weise – stets mit dem Vorhaben, die Problematik fernab simpler Polemik aufzudecken. So kommen die sozio-kulturellen Gräben im Kontext des vorherrschenden Gefühls der europäischen Zerissenheit in all ihrer Vielschichtigkeit zum Ausdruck.

Heinrich Böll Stiftung

30.06.2018

Kategorie: Ausstellungen

Tags: Güres