Johannes Vogl: Globus

Alexander Levy, 08.11.–20.12.2013

Johannes Vogl: Globus

Johannes Vogl, Laterne / Lantern (Videostill)2013

Johannes Vogl lässt sich nicht als klassischen Bildhauer beschreiben, er ist vielmehr ein poetischer Erfinder.
Oft sind es alltägliche Situationen, die Vogl bei seinen Skulpturen, Installationen oder Videos inspirieren. So ist es auch bei O.T. (Rest 1) und O.T. (Rest 2) der Fall gewesen. Aus einer Stahlplatte im Standard Industriemaß, wie man sie etwa von Baustellen als Fahrbahnblech kennt, hat Vogl einen Halbkreis herausgebrannt. Die beiden so entstandenen Objekte stehen sich im Ausstellungsraum gegenüber. Schwer lastend sind sie an die Wand gelegt und haben immer noch eine unterschwellige Verbindung zueinander – beide Arbeiten sind Restprodukt des anderen.

In dem Spannungsfeld der beiden Stahlskulpturen steht ein Schulglobus auf einem runden schwarzen Tisch. Globus dreht sich jedoch mit sehr hoher Geschwindigkeit entgegen der Erdrotation um die eigene Achse – ein Versuch Vogls die Zeit zurückzudrehen? Durch die Beschleunigung werden gleichzeitig die Informationen auf dem Globus gänzlich unbrauchbar, Kontinente und Ozeane verschwimmen zu einem abstrakten Bild.

Globus tritt in einen Dialog mit den Stahlskulpturen. Unser Planet wird eingekreist von Mond und Sonne, die sich jeweils nur zur Hälfte im Raum blicken lassen. Vogl hat fast ein abstraktes kleines Sonnensystem erschaffen durch das wir uns bewegen. Aber es ist keine Rekonstruktion von Natur, es geht mehr um eine Vermittlung von Gefühlen, Sehnsüchten und Ängsten, die ein solches Szenario auslösen kann.

Im hinteren Teil des Ausstellungsraums findet man die Videoarbeit Laterne. Das Video zeigt eine Gaslaterne im Berliner Stadtraum. Es scheint jedoch als sei diese ausser Kontrolle geraten, da der Laternenkopf in Flammen steht. Durch diesen Eingriff verwandelt sich die Strassenlaterne in ein rätselhaftes Monument, wie wir es von ewigen Flammen oder dem Olympischen Feuer kennen. Ein Orientierungspunkt in der surrealen Welt Vogls.

Johannes Vogl, 1981 in Kaufbeuren geboren, ist nun nach einem einjährigen DAAD-Stipendium in Buenos Aires zurück in Berlin. Vergangene Ausstellungen wahren u.a.: Goldrausch, Villa Merkel, Esslingen, Beautiful Minds, Kleine Humboldt Galerie Berlin (DE), 10 Years Lentos Museum-Die Sammlungsausstellung, Lentos Museum Linz (AT), Passage, Galerie Martin Janda, Wien (AT), Under Destruction, Swiss Institute, New York (US) und Manifesta 7.

Alexander Levy

21.11.2013

Kategorie: Ausstellungen

Tags: Vogl