Donelle Woolford: Ich bin eine andere Welt, Künstlerische Autor_innenschaft zwischen Desubjektivierung und Rekanonisierung: Performer/Performer/Audience/Mirror

tanzquartier wien, 10.01.–11.01.2014

Donelle Woolford: Ich bin eine andere Welt, Künstlerische Autor_innenschaft zwischen Desubjektivierung und Rekanonisierung: Performer/Performer/Audience/Mirror

Die Gründe, die Künstler_innen veranlassen, als fiktive Personen oder anonym in Kollektiven aufzutreten und zwischen Fiktion und Realität angelegte Narrative zu kreieren, sind mannigfaltig: als Verweis auf blinde Flecken im sonst diskursiv abgesicherten Kanon, als Kritik an institutionellen Strukturen von Urheber_innenschaft und Autor_innenschaft oder deren Repräsentationspolitiken von normativen Geschlechterrollen und Ethnizität, zum Schutz vor politischer Verfolgung und nicht zuletzt zur Entmystifizierung des überhöhten Künstler_innenindividuums. Kollektive Autor_innenschaft befindet sich heute an den Bruchlinien eines dekonstruierten, postmodernen Subjektbegriffs und anarcho-aktivistischer Formen von Widerstand und Kapitalismuskritik, die nicht anders als gemeinschaftlich organisiert werden können (und müssen). Gleichzeitig verweisen diese Formationen auch auf Problemkreise von virtueller Identität und regulativen Phantasmen einer diesbezüglichen Sicherheitspolitik. In diesem Sinne verhandelt ICH BIN EINE ANDERE WELT. Künstlerische Autor_innenschaft zwischen Desubjektivierung und Rekanonisierung die Motive, die Künstler_innen veranlassen, als fiktive Personen oder anonym in Kollektiven aufzutreten und/oder zwischen Fiktion und Realität angelegte Narrative zu kreieren.

Performer/Performer/Audience/Mirror ist ein Reenactment der bahnbrechenden Performance Performer/Audience/Mirror (1975) des US-amerikanischen Konzeptkünstlers Dan Graham. Die »Reproduktion« tritt innerhalb der Performance zutage – sie folgt exakt derselben Choreografie wie das Original, allerdings als Pas de deux. Die Figur der afroamerikanischen New Yorker-Künstlerin Donelle Woolford – eine Erfindung des Künstlers Joe Scanlan – spielt mit der institutionellen Repräsentationspolitik des Kunstbetriebs, mit gesellschaftspolitischen Implikationen von Ethnizität oder Geschlecht.
19:30 h / Tanzquartier Wien / Studios / Eintritt frei

tanzquartier wien

15.11.2013

Kategorie: Ausstellungen

Tags: Woolford