Roman Ondák, Johannes Vogl: Goldrausch. Gegenwartskunst aus, mit oder über Gold

18.10.2012–13.01.2013

Roman Ondák, Johannes Vogl: Goldrausch. Gegenwartskunst aus, mit oder über Gold

Johannes Vogl, 1 Oz. Tr., 2006, Detail

Gold (von indogermanisch ghel: glänzend, gelb) ist ein chemisches Element mit dem Symbol Au und der Ordnungszahl 79 ... So sachlich beginnt der Wikipedia-Eintrag über ein Edelmetall, um das sich seit Jahrtausenden Mythen und Legenden ranken, das nicht weniger als die Ewigkeit, die göttliche Sphäre und unermesslichen Reichtum repräsentiert, das Expeditionen wie Kriege provoziert und Alchemisten motiviert hat. Bis in unsere Gegenwart ist das kostbare Metall omnipräsent und begegnet uns als Goldmedaille bei den Olympischen Spielen, als Kapitalanlage auf dem Börsenmarkt, als goldener Oscar, goldenes Bambi oder goldene Schallplatte ...

Auch die Gegenwartskunst erlebt goldene Zeiten: Gold ist als Material oder auch als Farbe (wieder) sehr präsent. Dies mag zunächst überraschen, scheint doch der Werkstoff im Widerspruch zur Materialentwicklung des 20. und 21. Jahrhunderts zu stehen. Denn um 1900 löste sich die künstlerische Avantgarde von den traditionellen Werkstoffen und das Spektrum der im Kunstkontext verwendeten Materialien wird in den folgenden Jahrzehnten nahezu unüberschaubar. Wenn jedoch alles zum Werkstoff werden kann, warum dann eine erneute Hinwendung zu dem traditionsbeladenen Material?

Für die zeitgenössische Kunst scheint der Reiz im Umgang mit Gold gerade in diesem „Traditionsballast“ zu liegen und in all den Ausdrucks- und Bedeutungsebenen, die sich mit dem kostbaren Werkstoff assoziieren. Denn hieraus ergeben sich spannende Fragen: Wie kann Gold in einer neuartigen und überraschenden, bisweilen humorvollen oder auch irritierenden Weise eingesetzt werden? Welche Bildlösungen können gefunden werden, damit die Verwendung von Gold nicht als konservativer Traditionalismus oder rückwärtsgewandte Dekorationslust missverstanden werden kann? Welche künstlerischen Strategien können entwickelt werden, um das Pathos des Materials zu hinterfragen?

Gold ruft unweigerlich Reaktionen hervor – ein Potenzial, das die an der internationalen Gruppenausstellung Goldrausch beteiligten Künstlerinnen und Künstler vielfältig nutzen. Ihre Arbeiten belegen, dass auch ein solch symbolträchtiger Werkstoff wie Gold zum Sinnbild einer aktuellen Thematik werden kann, wenn Umwertungen vorgenommen, Assoziationen verschoben und aktuelle Inhalte definiert werden. Ein Blick auf diese neuen Wege im Umgang mit dem Werkstoff erscheint gerade auch in Nürnberg interessant, einer Stadt, die lange zu den dominierenden Zentren der Goldschmiedekunst Europas gehörte.

Die Führungen des KPZ im GNM und in der Kunsthalle zeigen den „Goldrausch“ in der Kunst- und Kultur- geschichte über drei Jahrtausende hinweg bis zu den zeitgenössischen Künstlern, die das traditionsreiche Material mit Ironie und Hintersinn in ihren Werken verwenden oder darauf anspielen.

Die internationale Gruppenausstellung wird von einem umfangreichen, zweisprachigen Katalog begleitet (Verlag für moderne Kunst Nürnberg). Die Publikation umfasst neben drei Essays von Klaus H. Orth, Anne Schloen und Harriet Zilch auch einleitende Texte zu allen in der Ausstellung gezeigten Werken.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Villa Merkel, Galerien der Stadt Esslingen. Sie wird in Esslingen vom 17. Februar bis zum 14. April 2013 zu sehen sein.

Kunsthalle im KunstKulturQuartier

30.10.2012

Kategorie: Ausstellungen

Tags: Ondak, Vogl