Martin Arnold

"Die Fazination der devianten Entitäten, die Martin Arnolds Filme bevölkern (oder neuerdings: entvölkern) liegt gerade in der Ambiguität ihrer ontologischen Bestimmung: Man mag im spastischen Rütteln von Gregory Peck in passage à l’acte oder im inhibierten gesanglichen Liebeswerben von Judy Garland in Alone Elemente jenes guten Irren sehen wollen, der in der Schizo-Theorie von Deleuze/Guattari zum Träger aller verbotenen Wünsche und archaisch andrängenden Subversionslüste wird. Oder man erkennte in dem scheinbar nicht zielgerichteten, von repetitiven Pulsionen erschütterten Wirken der Figuren den Geist jenes merveilleux mécanique (Michel Carrouges), das jenseits der kartesianischen Körper-/Geist-Dichotomie ein schrecklich-wunderbares Paralleluniversum aufspannt.
Martin Arnolds Filme sind gnadenlose Investigationen von Geschichte und Gegenwart. Sie versuchen in dem durch historische Distanz fremd Gewordenen das Eigene zu finden und es wiederum in ein Anderes zu wenden. Sie stelllen die fundamentale Frage nach dem Wesen des Menschen und der Dinge in der technischen Welt, die, nach Heidegger, „äußerste Transparenz und zugleich tiefste Obskurität“ verkörpert."

Miessgang, Thomas: Jenseits der Wörter, in: Ausstellungskatalog: Martin Arnold. Deanimated, Kunsthalle Wien, Wien 2002, S. 18.