Corinne Wasmuht

"Man sieht etwas und das wird dann transformiert im Körper, in den Gedanken und in der Erinnerung. Und diese Transformation ist für mich das Wichtigste", sagt Wasmuht und erklärt damit ihren Schaffensprozeß. Die Gemälde, die dann entstehen, könnte man als Collagen, als fragmentierte Gebäude bezeichnen. Sie haben kaum mehr etwas mit ihrem gedruckten oder gesendeten Vorbild zu tun. Räumlichkeit, Flächen und Linien stehen in einem genau definierten und dabei doch irritierenden Verhältnis zueinander.
In den Gemälden Corinne Wasmuhts sieht man keine einzelnen Pinselstriche, keine handgeschleuderten Kleckse. Ihre Bilder wirken technisch clean. Allein der Geruch der Farben verrät das Werk als Ölgemälde. So verwundert es nicht, daß Corinne Wasmuht immer wieder gefragt wird, wie sie ihre Bilder "herstellt".
Wie die Alten Meister, könnte man antworten; das heißt, sie überträgt den Entwurf des Bildes auf die Holztafeln. In vier oder mehr Arbeitsgängen wird Schicht für Schicht die Lasur aufgetragen. Mit größter Sorgfalt und überaus langsam bewältigt sie ihre bis zu vier Meter großen Bildtafeln.
Nur vier Bilder malt Corinne Wasmuht im Jahr. Sicherlich könnte ihr dabei auch einer ihrer Assistenten behilflich sein. Doch davon will sie nichts wissen. Denn schließlich "schöpfe ich während des Malprozesses die Ideen für zukünftige Bilder", sagt sie. Auch deshalb sollte man die Künstlerin nicht stören.

Christiane Hoffmanns, 2004