Hugo Canoilas: Buoyant

04.05.–26.06.2021

Hugo Canoilas
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2021

Hugo Canoilas
Black Eye, 2021
high fluid Acryl auf Leinen
160 x 140 cm

Hugo Canoilas
Pleiades, 2020
Glass
20 x 26 x 26 cm

Hugo Canoilas
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2021

Hugo Canoilas
Buoyant, 2021
high fluid Acryl auf Leinen
220 x 250 cm

Hugo Canoilas
Arthropoda, 2021
high fluid Acryl auf Leinen
70 x 90 cm

Hugo Canoilas
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2021

Hugo Canoilas
Pearly Nautilus, 2021
high fluid Acryl auf Leinen
170 x 140 cm

Hugo Canoilas
Andromeda, 2020
Glas, Filzmatte
20 x 115 x 106 cm

Hugo Canoilas
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2021

Hugo Canoilas
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2021

Hugo Canoilas
Lovers, 2021
high fluid Acryl auf Leinen
66 x 52 cm

Hugo Canoilas
Dark verb, 2021
high fluid Acryl auf Leinen
700 x 275 cm

Hugo Canoilas
One portion of time suspended with a flashlight, 2021
high fluid Acryl auf Leinen
140 x 60 cm

Hugo Canoilas Hugo Canoilas: Buoyant

Hugo Canoilas
Hugo Canoilas: Buoyant

Hugo Canoilas
Hugo Canoilas: Buoyant

Die Galerie Martin Janda zeigt von 4. Mai bis 26. Juni 2021 die erste Einzelausstellung von Hugo Canoilas.

Mit Buoyant zeigt Hugo Canoilas eine neue Werkgruppe aus Gemälden und Glasarbeiten, die er seit dem letzten Jahr eigens für diese Ausstellung entwickelt hat. Ihr thematisches Universum ist die Tiefsee, die der Künstler als Metaphernraum für Spekulationen und Projektionen über eine nichtkoloniale Zukunft nützt. Die Tiefsee ermöglicht uns das sinnliche Erleben neuer Lebensformen, weil diese nun  erstmals sichtbar werden – durch von Robotern im Meer gewonnene Daten, Proben und erstellte Aufnahmen. Canoilas verbindet also Technik, Biologie und Kunst zu einer Übung oder, besser, zu dem Versuch, Schönheit so zu verwenden, dass wir mehr Empathie für sämtliche Lebensformen verspüren.

Wie schon der Ausstellungstitel – „buoyant“ bedeutet auf Englisch schwimmend, übertragen aber auch munter – ahnen lässt, wechseln die Arbeiten zwischen Horizontal- und Vertikalebene. Dies leitet der Künstler von der Bewegungsweise des Nautilus, einer der evolutionär ältesten Arten des Planeten, ab. Auch der Nautilus wechselt in seinem täglichen Jagdverhalten zwischen Meeresoberfläche und Meeresboden. Einer vergleichbaren Analogie folgend spiegeln Nessel- und spinnenartige Meerestiere Donna Haraways Theorie des tentakulären Denkens wider, die auch in Canoilas’ Kunst latent ist. Sein Werk erkennt das Andere an, indem es auf posthumanistische Denkströmungen Bezug nimmt, die die anthropozentrische Sicht auf die Welt in Frage stellen und zu einer empathischen Einstellung zu Natur und Umwelt aufrufen.

Buoyant gibt auch Einblicke in den Arbeitsprozess des Künstlers, eben weil Canoilas die Werke abwechselnd an der Wand und auf dem Boden platziert. Die Wand ist die Ebene, auf der gezeichnet wird – wo also Ideen Form annehmen. Dies ist für Canoilas’ Gemälde so wichtig wegen der Materialien, die er verwendet. Die flüssige Farbe verbindet sich nämlich in einer Weise mit dem Leinengewebe, dass danach keine Veränderungen mehr möglich sind. Es gibt also eine enorme Emergenz in der Übersetzung des Bildes in eine Geste, die durch das der Malerei innewohnende abstrakte Denken verarbeitet wird.

Wenn die Leinwand dann auf dem Boden liegt und Canoilas wie ein Hund auf den Knien, verändert sich seine gewohnte Perspektive auf das Werk. Er eignet sich also den Blick eines Tieres an, das nicht versteht und Anfang und Ende des Bildes nicht erkennen kann. Er gestattet der Natur und ihren Elementen – Wasser, Schwerkraft, Lufttrocknung – das Werk gemeinsam zu vervollständigen. So könnte man sein Verfahren mit der Osmose oder einer Symbiose vergleichen. Es geht um die Wechselwirkung zwischen Farbe und Naturfaser, zwischen Künstler und dem Geschehen vor ihm. Die neuen Arbeiten von Hugo Canoilas erlauben den natürlichen Ausdehnungs- und Kontraktionskräften in der Farbe, neue Formen zu bilden. Die fruchtbare Wechselwirkung zwischen Malerei und Gemaltem – oder Berührtem – ist der Beginn einer Erneuerung von Canoilas‘ Formvokabular. Aus seiner Sicht gewinnt er damit die Fähigkeit, Schönheit, gebrochene Schönheit, aber auch im Atelier statthabende Zufälle festzuhalten. Das kann die Art und Weise sein, wie sich eine Farbe mit der anderen mischt, eine ephemere Handlung, ein Versehen, eine kühne Geste oder Entscheidung, oder auch nur die Flecken und Spuren auf dem Atelierboden, die sich in Canoilas’ Kopf festgesetzt haben.

Die Glasarbeiten auf dem Boden vermitteln ebenso diese neue Freiheit, die auch aus der Materialität und dem Prozess der Glasherstellung – eine Flüssigkeit, die sich verfestigt – resultiert. Das verstärkt die Verführung durch Alchemie oder die Fluidität des Wissens in diesen Arbeiten. Sie werden auf eine Ebene gestellt, ohne Hierarchien zwischen dem einen und dem anderen und in Anerkennung des Andersseins. Die Unterschiede sind nur notwendig, damit sich unser Ökosystem weiterentwickeln und fließen kann.

„Es gibt einen Grund, warum die Kunst für die Natur ein Interesse hegt, das weit über einen Trend oder eine Mode hinausgeht, und dieser Grund ist der alte, legitime Wunsch von Künstler*innen, einen Platz und einen Rezipienten jenseits des Klassensystems und seiner Institutionen zu finden, die den Menschen exklusiv als das einzige Wesen sehen, das sich mit Kunst beschäftigt.“(1)

In ihrem Aufsatz The Invention is Nature postuliert Chus Martinez einen Zusammenhang zwischen prozessbetonter Kunst und Natur. Die Kunst ist wie ein Organismus, weil ja der Maler oder die Malerin in ständiger Wechselwirkung mit dem Gemälde steht, mit dem er oder sie sorgsam umgehen muss, um es geschehen zu lassen. Mit seinen neuen Bildern pointiert Hugo Canoilas diesen Zusammenhang. Prozess und Natur stehen hier in einer mimetischen Beziehung. Die Sujets wiederholen sich, als würde Wiederholung und Differenz – die beide vom Minimalismus stammen – die Natur nachahmen. Oder auch als entfalte sich die Natur in einem neuen Wertesystem.

(1) Chus Martinez, The Invention is Nature. In: Chus Martinez (Hg.),The Wild Book of Inventions. Sternberg Press / FHNW Academy Basel, Berlin 2019, S. 6–38, hier S. 7.

Hugo Canoilas, *1977 in Lissabon (PT), lebt und arbeitet in Wien (AT).

Canoilas ist Träger des Kapsch Contemporary Art Prize 2020/2021 und hat derzeit eine Einzelausstellung im mumok Wien. Weitere Ausstellungen (Auswahl): 2020 Museu Serralves, Porto; 2016 Museu do Chiado, Lissabon; 2015 Cooper Gallery, Dundee; 2008 Centro de Arte Contemporáneo de Huarte; 2007 Frankfurter Kunstverein; 2021 Kunstverein in Hamburg; Vienna Biennale for Change, MAK, Wien; 2017 Kunsthalle Wien; 2014 De Appel, Amsterdam; 2012 Museu Calouste Gulbenkian, Lissabon; 2012 30. Biennale São Paulo

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!