Melanie Ebenhoch

05.06.–11.07.2020

Melanie Ebenhoch
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2020

Melanie Ebenhoch
The Mansion, 2020
Öl auf Leinwand
100 x 110 cm

Melanie Ebenhoch
tschüss - bye bye, 2020
Öl auf Leinwand
150 x 127 cm

Melanie Ebenhoch
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2020

Melanie Ebenhoch
3 AM, 2020
Öl auf Leinwand
150 x 127 cm

Melanie Ebenhoch
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2020

Melanie Ebenhoch
The Past, 2020
Öl auf Leinwand
150 x 127 cm

Melanie Ebenhoch
The Forest, 2020
Öl auf Acryl-Harz
Ø 37 cm

Melanie Ebenhoch
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2020

Melanie Ebenhoch
The Movies, 2020
150 x 127 cm

Melanie Ebenhoch
Reisehütchen, 2020
Öl auf Acryl-Harz
Ø 37 cm

Melanie Ebenhoch
The Fireplace, 2019
Öl auf Leinwand, Acryl-Harz, Styropor, Holz
181 x 125 x 65 cm

Melanie Ebenhoch
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2020

Melanie Ebenhoch
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2020

Ab 5. Juni 2020 zeigt die Galerie Martin Janda neue Arbeiten von Melanie Ebenhoch in ihrer ersten Einzelausstellung in der Galerie.

Grau ist eine unbunte Farbe, wie Weiß und Schwarz, aber sie hat nicht deren Eindeutigkeit. Sie ist vielmehr ein Nullpunkt zwischen allen Farben, in dem sich die Polarität von Weiß und Schwarz und alle individuellen Qualitäten einzelner Farbtöne aufheben. Philipp Otto Runge bezeichnet Grau als „völlig gleichgültig“, und mit dieser Eigenschaft ist es geeignet, Malerei in ihrem Verhältnis zu anderen Medien zu betrachten, wenn etwa Graumalerei Skulptur und Architektur in eine Scheinarchitektur überführt. Grisaille steht häufig für den Übergang von Leben in den Tod, von realer Präsenz zum Abglanz einer Erinnerung im Bild.

In ihrer ersten Einzelausstellung in der Galerie Martin Janda zeigt Melanie Ebenhoch eine Reihe neuer Arbeiten, die wie ein fernes Echo auf frühere erscheinen. Das zentrale Motiv ist bekannt, nur ist es in den aktuellen Bildern in Grau gehalten: ein Vorhang, der den Blick auf einen Vollmond über nebelverhangener Landschaft freigibt. Die melancholische Szene und die Komposition könnte man für durch und durch romantisch halten, hätte man es nicht mit einer Art Vexierbild zu tun, welches die Rückenansicht einer weiblichen Figur zeigt, die sich vornüber beugt, um durch ihre Beine hindurch auf die Betrachter*innen zu schauen und dabei ihr Gesäß zu entblößen. Ebenhoch dreht mit ihren Nebelmeeren nicht nur Caspar David Friedrichs ins Bild einführende Rückenfiguren um, sondern referiert auch auf eine Praxis, die unter dem Begriff „mooning“ viral populär wurde, eigentlich aber viel weiter zurück datiert. Die aggressive oder alberne Exponierung weicht in Ebenhochs Darstellung einer unschuldigen Intimität, bei der die sanfte Scham nur mit dem Mond um Aufmerksamkeit konkurriert, der im Zentrum des Bildes zwischen den mädchenhaften Beinen aufgeht, hell und klar.
 
Ebenhoch spielt mit der Perspektivumkehr des Blickregimes, aber ebenso mit der Stilisierung und Übertreibung dieses Überraschungseffekts, der selbst dann noch wirksam ist, wenn im vermeintlichen Mond überhaupt kein Gesicht mehr zu sehen ist, sondern die Weltkugel von Universal Pictures. Die graue Farbgebung betont einmal mehr den sorgfältigen räumlichen Bildaufbau, der sich nicht nur an Malerei, sondern vor allem an Mise en Scènes in Schwarz-Weiß-Filmen orientiert. Die Künstlerin setzt sich seit längerem mit dem Bild der Frau im Hollywoodkino, speziell im Melodram, auseinander. Das Melodram externalisiert innere Konflikte und überträgt sie in auffallend durchkomponierte Interieurs. Ebenhoch interessiert hier die Eingeschlossenheit der Protagonist*innen in die Komposition und die bildliche Verräumlichung psychischer Spannungen.
 
Sie beschäftigt auch, wie Schauspielerinnen mit den restriktiven Frauenbildern umgingen, die sie in verstärktem Maße in den 1950er und 1960er Jahren zu verkörpern hatten. Weil das vorhandene Rollenkorsett z. B. Jane Mansfield zu wenig Spielraum bot, überaffirmierte sie aktiv das Klischee der blonden Sexgöttin. Sie quoll quasi aus der Form, die von Jean Harlow und Marilyn Monroe schon besetzt worden war. Noch einmal zeigt Melanie Ebenhoch das Anwesen der Schauspielerin in Los Angeles, den „Pink Palace“, den Mansfield für ihre legendären Selbstdarstellungen umgestalten ließ, aber sie rückt ihn in der neuen Fassung in eine phantastische Landschaft mit unwirklicher Lichtregie. Indem Ebenhoch ihre Ausstellung wie eine Rückblende inszeniert, verweist sie auf die neuerliche Zuspitzung, die das verschwommene Verhältnis von Realität und Fiktion gegenwärtig erfährt. Nie zuvor erschienen die Welt da draußen, der strahlend blaue Himmel und die Menschen auf den Straßen irrealer als während des Lockdown. 

Anette Freudenberger

Melanie Ebenhoch, *1985 in Feldkirch, lebt und arbeitet in Wien (AT)
Zuletzt waren ihre Werke u.a. im Belvedere 21, in der Galerie der Stadt Schwaz und bei Hester, New York zu sehen. Sie werden derzeit auch in der Kunsthalle Wien in der Ausstellung “…of bread, wine, cars, security and peace“ gezeigt. 



Am 5. und 6. Juni 2020 öffnen die österreichischen Galerien, inklusive aller Galerien der Eschenbachgasse, gemeinsam ihre Türen mit zahlreichen neuen Ausstellungen.

Öffnungszeiten:
Freitag, 5. Juni, 12–21 Uhr
Samstag, 6. Juni, 12–18 Uhr

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!