Jakob Kolding: Pieces

08.03.–20.04.2019

Jakob Kolding
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2019
Foto: Anna Konrath

Jakob Kolding
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2019
Foto: Anna Konrath

Jakob Kolding
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2019
Foto: Anna Konrath

Jakob Kolding
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2019
Foto: Anna Konrath

Jakob Kolding
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2019
Foto: Anna Konrath

Jakob Kolding
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2019
Foto: Anna Konrath

Jakob Kolding
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2019
Foto: Anna Konrath

Jakob Kolding
Sketch for Sculptures, 2019

Jakob Kolding
Past Futures, 2019
Inkjet Print
200 x 140 cm

Jakob Kolding
Spaceboy, 2019
Inkjet Print
200 x 140 cm

Jakob Kolding
A Young Boy Puts A Feather Into His Mouth, 2019
Collage auf Papier
59 x 41,6 cm

Jakob Kolding
Amorphous Androgynous (State of the Nation), 2019
Collage auf Papier
59 x 41,6 cm

Jakob Kolding
Untitled (Selected Ambient Works), 2019
Collage auf Papier
23,8 x 16,8 cm

Jakob Kolding
Self-portrait, 2019
Collage auf Papier
23,8 x 16,8 cm

Jakob Kolding
Spaceman, 2019
Collage auf Papier
23,8 x 16,8 cm

Jakob Kolding
The Symbiote, 2019
Digitaldruck auf Spanplatte mit Birkenfunier, Stahl
87 x 105 x 24,5 cm

Jakob Kolding
Invasion of the Body-Snatchers, 2019
Digitaldruck auf Aludibond, Stahl
148 x 73 x 24,5 cm

Jakob Kolding
Invasion of the Body-Snatchers, 2019
Digitaldruck auf Aludibond, Stahl
148 x 73 x 24,5 cm

Eröffnung: Donnerstag, 7. März 2019, 19 Uhr

“Maybe all systems – that is, any theoretical, verbal, symbolic, semantic, etc. formulation that attempts to act as an all-encompassing, all-explaining hypothesis of what the universe is about – are the manifestations of paranoia. We should be content with the mysterious, the meaningless, the contradictory, the hostile, and most of all the unexplainably warm and giving … “

– Philip K. Dick, 1972

Die Galerie Martin Janda zeigt von 8. März bis 20. April 2019 die fünfte Einzelausstellung von Jakob Kolding, Pieces.

Aufbauend auf seiner langjährigen Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Identitäten versammelt Kolding in Pieces ein breites Spektrum an Bildnarrativen, das das permanente Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft thematisiert.
Anknüpfend an das obige Zitat von Philip K. Dick spielt der Begriff der Symbiose dabei eine Schlüsselrolle. Kolding stellt die Symbiose den verstärkten autoritären Tendenzen in der heutigen Gesellschaft und der Politik mit ihren Prinzipen von Ausgrenzung und Isolation gegenüber. Symbiose bedeutet für ihn indes nicht blumige Utopie, in der alle Lebewesen harmonisch leben. Symbiotische Beziehungen können gegenseitig förderlich, aber durchaus auch schädlich sein. Den Künstler interessiert die unvermeidliche Interkonnektivität, die sie mit sich bringt. Es entsteht ein Kollektiv mit Konflikten, aber dennoch ein Kollektiv.

Skulpturale, ausgeschnittene Figuren verteilen sich im Ausstellungsraum. Ihre Silhoutten werden von jeweils einer Quelle diktiert, ihr bildlicher „Inhalt“ von einer anderen. Zwei Bilder sind gleichzeit in einer Figur präsent, sie sind Teil voneinander. Es entsteht eine Feedback-Schleife, die die Beziehung der beiden Elemente zueinander aufwühlt – ein Körper im Konflikt mit sich selbst – und sich auch auf das Verhältnis zu den anderen Figuren wie auch zu den BesucherInnen auswirkt. Wie im Tanz vielleicht, oder – von hinten betrachtet – ein Schattenspiel unscharf abgegrenzter Körper und Positionen.

Koldings Beharren auf ein Umdenken, eine Umdeutung und Neuverwendung, auf Offenheit ist also ein sozialer und politischer Akt, der uns indessen Raum lässt, unser eigenes Erleben zu entfalten und die von ihm präsentierten Narrative mit unseren persönlichen Wahrnehmungen abzugleichen. Auch der Ausstellungstitel ist ein Fingerzeig auf diese Methode. Pieces meint zugleich das Zerbrochene und das wieder Zusammensetzbare.

Konvergierende und sich überschneidende Narrative finden sich auch in den drei großformatigen Drucken, die jeweils aus mehreren, unterschiedlich opaken Bildschichten bestehen. Auf den ersten Blick meint man abstrakte, fast unscharf monochrome Bilder vor sich zu haben. Erst bei genauerer Betrachtung geben sie sich als Moirés mehrerer gleichrangiger Motive zu erkennen, die nicht fokussiert werden wollen. Präsent, aber als ferne Echos, erinnern sie an nebelige Illusionen oder Schatten, oder an den Effekt, wenn man zu lange in die Sonne schaut.

Kolding konterkariert die Undeutlichkeit dieser Drucke mit einer Serie von Collagen, deren Sujets einstige Visualsierungen einer digitalen Zukunft sind. Das Ausgangsmaterial stammt von Umschlägen von Science-Fiction-Büchern aus den Sechziger- bis Neunzigerjahren sowie Rave- und Ambient-Plattencovern aus den späten Achtziger- und Neunzigerjahren entnommen. Kombiniert suggerieren sie utopische und auch dystopische Motive neuer virtueller Welten. Kolding vergrößert Bilddetails, bis sie abstrakt wie fesselnde und einladende Visionen einer großartigen digitalen Zukunft wirken und dennoch untergründig eine gewisse Melancholie verströmen. Die abstrakten Visualisierungen ehemaliger Wunschträume einer emanzipatorischen Utopie, einer vernetzten Welt voll individueller Freiheit verschwindet langsam hinter der konkreten Realität fehlender Privatheit und extremer Ungleichheit jenseits jeder demokratischen Kontrolle.

Auf den Begriff der Symbiose zurückkommend wird klar, dass es Kolding nicht um die richtige Kombination, nicht um Harmonie geht. Der Künstler fragt vielmehr, was passiert, wenn wir mehrere Ideen, Identitäten, Elemente und Menschen als nebeneinander existierend akzeptieren. Können sie sich in einem Raum verbinden? Die Offenheit, um die es ihm geht, ist dabei nicht nihilistisch, sondern im Gegenteil ein Beharren auf die Suche nach Sinn und danach, wer ihn wie produziert. In Pieces konstruiert Jakob Kolding eine Zwischenwelt, in der sich Kontext und Bedeutung permanent verschieben und so neue Sicht- und Seinsweisen ermöglichen.

Jakob Kolding, *1971 in Albertslund, lebt und arbeitet in Berlin.