Manon de Boer, Anri Sala, Xavier Veilhan

21.03.–28.04.2001

Manon de Boer, Anri Sala, Xavier Veilhan
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2000

Manon de Boer, Anri Sala, Xavier Veilhan
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2001

Manon de Boer, Anri Sala, Xavier Veilhan
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2001

Manon de Boer, Anri Sala, Xavier Veilhan
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2001

Die Ausstellung vereint drei künstlerische Positionen, die sich mit der Veränderung des Menschenbildes und der Identitätsbildung beschäftigen. Die Frage nach dem Handlungsspielraum des Einzelnen und den verschiedenen Szenarien der Reaktion darauf ergibt ein Bild, das singuläre Probleme thematisiert. 

Xavier Veilhan zeigt eine Serie großformatiger, computergenerierter Fotografien. Nackt, nur mit schwarzen Strümpfen bekleidet werden zwei Männer als Einzel oder Doppelbilder dargestellt. Die Situation wirkt entrückt und irreal, der Raum simpel konstruiert, die Körper wirken wie in Wachs gegossen und sind extrem plastisch. Obwohl als Selbstportrait erkennbar, beschäftigt sich Veilhan gerade mit der Distanz des Werkes vom Künstler, versucht verschiedenste Filter und technische Notwendigkeiten in der Entstehung des Werkes zu erforschen. Anhand der Analyse dieser Prozesse, thematisiert Xavier Veilhan Fragen nach der Entfernung des Künstlers vom Werk, der singulären Person von seinem Körper, und entwickelt in der seriellen Darstellung dieser Themen eine komplexe Struktur menschlichen Seins.

In seinem neuesten Film Uomo Duomo (2000) zeigt Anri Sala eine kurze Sequenz eines alten Mannes im Mailänder Dom. Auf einer Kirchenbank sitzen, völlig in sich versunken bleiben die Umstände dieser Situation ungeklärt. In religiöser Vertiefung, im Schlafzustand oder um die eigene Existenz kämpfend, die innere Emigration bleibt allen Deutungen gleich ersichtlich. Nach dem Film "Intervista" den wir im Rahmen der Ausstellung "Wider Bild Gegen Wart" gezeigt haben ist dies die zweite Präsentation eines Werkes des aus Albanien stammenden und in Paris lebenden Künstlers.

Das Ausgangsmaterial der Diaprojektion thirteen elusive moments out of one second von Manon de Boer entstand anhand eines langen Gesprächs zweier Frauen über Ihre Erinnerung an Los Angeles. Sylvia Kristel, als Hauptdarstellerin in der Filmreihe "Emanuelle" Inbegriff des erotischen Kinos der 70er, spricht mit einer Freundin der Künstlerin über Erlebnisse und Orte in Los Angeles, über Flucht vor der Bekanntheit und Entfernung von ihrer sicheren Umgebung. All diese Informationen bleiben dem Betrachter vorenthalten. Nur eine Sekunde dieses Gesprächs wird in einige Diasequenzen transferiert, die jedoch eine unglaubliche Fülle an Informationen transportieren. Die Geschichte von zwei Frauen wird durch die Entfernung von der konkreten Biographie, durch das Ausblenden erzählerischer Elemente zu einem verallgemeinerten Rekurs über Erinnerung, Geschichte und Leben.