Adriana Czernin: Najm

18.01.–25.02.2017

Adriana Czernin
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2017
Foto: Markus Wörgötter

Adriana Czernin
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2017
Foto: Markus Wörgötter

Adriana Czernin
Untitled, 2016
Acryl, Bleistift, Farbstift auf Papier
140 x 220 cm

Adriana Czernin
Untitled, 2016
Acryl, Bleistift, Farbstift auf Papier
100 x 120 cm

Adriana Czernin
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2017
Foto: Markus Wörgötter

Adriana Czernin
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2017
Foto: Markus Wörgötter

Adriana Czernin
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2017
Foto: Markus Wörgötter

Adriana Czernin
Untitled, 2016
Acryl, Bleistift, Farbstift auf Papier
120 x 145 cm

Adriana Czernin
Untitled, 2016
Acryl, Bleistift, Farbstift auf Papier
140 x 220 cm

Adriana Czernin
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2017
Foto: Markus Wörgötter

Adriana Czernin
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2017
Foto: Markus Wörgötter

Adriana Czernin
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2017
Foto: Markus Wörgötter

Adriana Czernin
Ausstellungsansicht, Galerie Martin Janda, 2017
Foto: Markus Wörgötter

Eröffnung: Dienstag, 17. Jänner 2017, 19 Uhr
Dauer der Ausstellung: 18.01.–25.02.2017
Öffnungszeiten: Di–Fr, 11–18 Uhr, Sa, 11–16 Uhr

Die Galerie Martin Janda zeigt von 18. Jänner bis 25. Februar 2017 neue Arbeiten von Adriana Czernin

Ausgangspunkt für Czernins jüngste Werkserie ist ein Fragment eines islamischen Ornaments aus der Ibn Tulun-Moschee in Kairo aus dem 13. Jahrhundert. Anders als in ihren früheren Arbeiten, in denen die Künstlerin Ornamentales einer weiblichen Figur oder einer nicht-menschlichen, oft expressiven Figuration gegenübergestellte, befasst sie sich nun ausschließlich mit einem geometrischen Ornament und damit verbundenen Themen, wie Fragen von Funktion, Repräsentation und politischer Dimension.

Najm, der Titel der Ausstellung, kommt aus dem Arabischen und bedeutet Stern. Er bezieht sich auf eine der Komponenten des Ornaments aus der Ibn Tulun-Moschee. Czernin untersucht verschiedene Aspekte der geometrischen Konstruktion, aber auch die Destruktion dieses Ornaments. 
Die Installation Minbar Ibn Tulun (2014–2016) besteht aus einer Vielfalt kleinformatiger Zeichnungen, einigen Fotografien und Texten, gezeigt auf mehreren Tischen. Einerseits verweist sie auf das Originalobjekt aus der Ibn Tulun-Moschee und seine Geschichte, andererseits zeigt sie die analytische Vorgehensweise der Künstlerin bei ihrem Unternehmen, die fehlende Struktur dieses Fragments aus der Moschee, das sich übrigens im MAK in Wien befindet, wiederherzustellen.
„Um das Verlorengegangene wiederzufinden, habe ich alle vorhandenen Punkte und Linien miteinander verbunden. Unter meinem Lineal ist ein neues Netz voller Beziehungen, fast konspirativer Zusammenhänge entstanden. Ich entdeckte ein System, das komplex und kompliziert ist, zugleich aber auch einfach. Es ist stabil und statisch. Keine Bewegung ist möglich, kein Rütteln ist erlaubt.“ (Czernin)

Daraus resultieren Serien, die z.B. Quadrate und Oktagone behandeln oder eben die Verbindungen zwischen zentralen Punkten durch Linien suchen. Czernins Aufmerksamkeit gilt dabei sowohl der Strenge des Systems mit allen Symmetrien und Wiederholungen als auch möglichen Asymmetrien. Einzelne Elemente der Konstruktion, ihr Aufbau und mögliche Verbindungen werden hervorgehoben, andere in den Hintergrund gerückt.

In den großformatigen Zeichnungen wendet die Künstlerin folgende Methode an: Sie verändert die Struktur nicht tatsächlich, sondern lässt lediglich bestimmte Teile weg. So entstehen scheinbar freie Formen, die sie den als ornamental erkennbaren Fragmenten gegenüberstellt. Schwarz-graue Spitzen flottieren frei durch den Bildraum, um andere Teile des Ornaments zu durchqueren oder zu durchbohren: dynamische Kompositionen, die von der Spannung zwischen den scheinbar so verschiedenen Teilen desselben getragen werden und expressive Qualitäten gewinnen.
„Ich versuchte, das Ornament in gewisser Weise gegen sich selbst auszuspielen, seine Totalität zu untergraben. Ich wollte die Symmetrie brechen, die Statik in Dynamik, die Starrheit in Bewegung verwandeln.“

Adriana Czernins Untersuchung widmet sich jedoch nicht nur ornamentalen Formen als solchen, sondern auch dem Ornament als Träger von Tradition, Kultur und Religion, als repräsentativem Bild. Die ornamentale Ordnung per se ist nicht abschließbar und führt dadurch ins Unendliche. Damit verweisen diese Arbeiten auch auf die transzendente Bedeutung des Ornaments in der islamischen Kultur und auf seine Funktionen: Kontemplation, Versenkung im Rausch optischer Wahrnehmung, das Aufgehen des Individuums in der Unendlichkeit der Ordnung. Dennoch ist das Ornament an sich streng und starr, da in ihm jeder Punkt und jede Linie von allen anderen Punkten und Linien bestimmt sind. In diesem Sinn hat es auch etwas Totalitäres an sich. Dieses wird in Czernins Arbeiten gegen sich selbst gewendet und untergraben, auch destruiert.
Die Ambivalenz des Ornaments zwischen Ästhetik und Funktion, Freiheit und Diktatur ist zentrales Thema ihres Werks: Aufgewachsen in der kommunistischen Diktatur Bulgariens, sucht Czernin Formen individueller Freiheit im Rahmen strenger, scheinbar unerschütterlicher gesellschaftlicher Regelsysteme. Im Unterschied zu ihrem Verhältnis zum politischen Totalitarismus ist Czernins Verhältnis zum Ornament aber ambivalent. Faszination und Ausweglosigkeit, Anziehung und Abstoßung zeigen sich in diesem Werk gleichermaßen. Auch deshalb zerschlägt Adriana Czernin das System des Ornamentalen nicht gewaltsam, ihr Widerstand dagegen ist untergründig, leise und deshalb umso erkenntnisreicher.